Von der "Eurovisionshymne" zum "Unser Vater"

Eine musikalische Weltreise sollte es werden - und kurzweilig sollte es sein. So war das Konzert am Jugendtagssamstag angekündigt. Das Resümee danach: Es war für jeden Zuhörer etwas dabei. Einige Titel lösten wahre Begeisterungsstürme aus.

Eine musikalische Weltreise sollte es werden - und kurzweilig sollte es sein. So war das Konzert am Jugendtagssamstag angekündigt. Das Resümee danach: Es war für jeden Zuhörer etwas dabei. Einige Titel lösten wahre Begeisterungsstürme aus.

Anspannung bei den Vorbereitungen

Seit Januar 2006 bereiteten sich die Bezirkschöre und -orchester aus den Kirchenbezirken Erfurt, Gotha und Meiningen auf den besonderen Tag vor. Während die Chöre vorwiegend getrennt probten, trafen sich die Musiker monatlich einmal an einem Samstagnachmittag, um vier Stunden gemeinsam zu üben und eine musikalische Einheit zu werden.
Den Abschluss der Vorbereitungen bildeten zwei Ganztagsproben mit allen Mitwirkenden im Audimax der Technischen Universität Ilmenau. Der außergewöhnliche Raum musste gemietet werden, da keine Kirche in Thüringen die insgesamt 330 Sänger und Spieler - letztere mit ihren vielfältigen Instrumenten - fassen konnte. Vorfreude und Begeisterung stiegen in diesem Zeitraum ständig.

Am Konzerttag selbst galt es noch einmal viel Kraft und Konzentration aufzubringen und auch über den ganzen Tag hinweg einzuteilen. Denn der Tag begann für die Mitwirkenden in der Erfurter Messehalle bereits um 10:00 Uhr mit dem Einrichten der Mikrofone - dem Sound-Check. Dann wurde noch einmal geprobt und geprobt. Schließlich hatte man erst jetzt die räumlichen und technischen Voraussetzungen, die das Programm verlangte.
Nach der Mittagspause fand die Generalprobe statt, die schon spüren ließ, dass sich das intensive Üben gelohnt hatte. Es kehrte einerseits Ruhe ein, weil alles recht gut klappte, andererseits stieg die Anspannung, endlich das Konzertprogramm vor den ca. 4.500 geladenen Jugendtagsteilnehmern vorzutragen.

"Eurovisionshymne" zur Eröffnung

Punkt 16:30 Uhr lief Bezirksapostel Klingler von seinem Zuhörerplatz aus durch die Halle zur Bühne - musikalisch begleitet durch die "Eurovisionshymne", akustisch begleitet von viereinhalbtausend jubelnden Jugendlichen.
Nach der Begrüßung und dem Gebet durch den Bezirksapostel eröffnete das Orchester das Programm feierlich mit einem Ausschnitt aus der "Feuerwerksmusik" von Georg Friedrich Händel.
Die wohl berühmteste Komposition von Carl Orff (1895 - 1982) ist "Carmina Burana." Chor und Orchester brachten daraus das Frühlingslied zu Gehör. Mit seiner sprühenden Freude und Ausgelassenheit passte es gut zum Jugendtag und somit zur Jugend, die ja im Frühling des Lebens steht.

Die beiden nachfolgenden Titel waren und sind Klassiker für jung und alt: "Yesterday" von John Lennon und der Türkische Marsch von Wolfgang Amadeus Mozart in einer Bearbeitung für Klavier und Orchester. Letzteres Musikstück sei "unser Beitrag zum Mozart-Jahr" - so Moderator Markus Weyh, der gewohnt frisch - manchmal auch mit einem Augenzwinkern - durchs Programm führte. Der Beatles-Hit sorgte für Gänsehaut und bei "Sonata a la Turca" wurde man an "Rondo Veneziano" erinnert. Es war und blieb kurzweilig.

Spitzenleistung beim Geigenduo

Der meistumjubelte Vortrag des Nachmittags folgte. "Duo economique" lautete der im Jugendtagsheft abgedruckte Programmpunkt. Was sollte das werden?... Eine absolute Spitzenleistung von Vater und Sohn Geppert, die nach einem (angeblichen) Geigendefekt wegen "versäumter Inspektion mit Saitenwechsel nach 15.000 Tönen" das anspruchsvolle Duo auf einer Geige spielten. Tosender Applaus war der Lohn für einen fernsehreifen Auftritt.

Und wieder stand etwas musikalisch Neues und ein neues Ensemble auf dem Programm: Zur Abwechslung blies das Blechblasorchester der Gebietskirche Sachsen/Thüringen den Jugendtagsteilnehmern einen Marsch - "Floral Dance" hieß der Titel. Auch diese Musik sorgte für gute Stimmung.

Danach gab Markus Weyh schmunzelnd etwas Hilfestellung für die, die in Geographie nicht ganz so gut sind: "Erfurt liegt im Bundesland Thüringen. Und nicht weit von hier beginnt der wunderschöne Thüringer Wald. Er wird auch in vielen Liedern besungen." Zwei davon trug der Männerchor vor. Die Einblendungen von Fotos vom Thüringer Wald, vom Goethe-Häuschen und vom Original des weltbekannten Gedichts "Über allen Wipfeln ist Ruh" machten Appetit auf mehr. So lud der Moderator im Anschluss an die Vorträge herzlich ein, Thüringen mit seiner schönen Natur - und seinen leckeren Bratwürsten - einmal näher kennen zu lernen.
Dass ein Frauenchor auch begeistern und für gute Stimmung sorgen kann, bewiesen die Schwestern des Chores mit ihrer "NAK-Erstaufführung" von "Hoch auf dem gelben Wagen" vom Thüringer Komponisten Matthias Bretschneider. Stimmungsvoll begleitet wurden die Frauen von einer Blechbläsergruppe.

Nach dem Thüringer Liederblock unternahm das Blechblasorchester eine musikalische Weltreise mit einem allseits bekannten Lied: "Welch ein Freund ist unser Jesus". Das klingt eben in Afrika wirklich anders als in Südamerika - und vor allem anders als in Europa!

Voller Einsatz beim Gospelvortrag

Wahre Begeisterungsstürme lösten danach die vier Vorträge des Gospelchores aus. Mit "Unity", "Singa", "Sing Praises!" und "He’s got the whole world" zeigten die Sänger und begleitenden Spieler überzeugend, dass Gospels und Spirituals andere kulturelle Wurzeln haben als europäische...

Danach war ein kleiner Schnitt im Programm. Für den Samstagabend war ja auch das Vorstellen von Behindertenverbänden vorgesehen. Eine Gruppe der Behinderten sind die Hörgeschädigten. Für sie wurde die so genannte Gebärdensprache entwickelt, mit der sie sich verständigen können. Wie sich Hörgeschädigte den Wunsch nach Singen eines Liedes erfüllen, erlebten die Konzertbesucher an einem kleinen Beispiel. Ein kleiner "Hörgeschädigten-Chor" - nur drei Personen - sangen im übertragenen Sinne zwei kleine Lieder in Gebärdensprache. Der Text wurde für die Anwesenden übersetzt. - Wieder ein Moment am Nachmittag, der "unter die Haut" ging, wo große Emotionen zu Tage traten...

Mit dem bekannten "Dank sei dir, Herr" von Georg Friedrich Händel leiteten die Blechbläser den Schlussblock des Konzertprogramms ein. "An unsere Dankbarkeit Gott gegenüber - wir wollen ihn täglich loben, ihm täglich danken - hat uns erst unlängst unser Stammapostel wieder einmal erinnert" unterstrich Markus Weyh den Grundgedanken des Blechbläservortrages.Mit dem nachfolgenden Lied "Sage nicht, ich bin zu jung" forderte der Chor die Jugendlichen auf, vom Werke Gottes zu künden. "Habt nur Mut!"

Danach wurden noch einmal die Lachmuskeln strapaziert. Der Moderator kündigte einen weltberühmten Kammervirtuosen an. Er wurde für die Liedbearbeitung "Zu dem Berg der Seligkeiten" extra als Triangel-Solist engagiert. Während des Orchestervortrages langweilte sich die Koryphäe allerdings, machte eine "Snicker"-Pause und schlief schließlich ein. Der wachsame Dirigent weckte ihn rechtzeitig vor seinem Einsatz. Nun machte der Solist hochkonzentriert seinen Triangel-Einwurf - "Pingping" - und wurde dafür am Schluss gebührend gefeiert. Beim Abgang von der Bühne trug er seine zwei Noten in Großformat mit von der Bühne.

"Unser Vater" zum Abschluss

Nach einem herzlichen Dankeschön an die Sänger und Musiker für ihren Fleiß in der Vorbereitung und ihr großes Engagement bei der Durchführung des Konzertes leitete der Moderator über zum letzten Lied. "Der Inhalt des Gebetes, das uns der Gottessohn lehrte, bildet die Textgrundlage des abschließenden Liedes - von Chor und Orchester vorgetragen: ,Unser Vater’."

Mit tosendem Applaus dankten die Zuhörer für das gut gelungene, abwechslungsreiche Programm. Damit ging die musikalische Weltreise dieses Samstagnachmittags zu Ende.

J.G.