Reise in den Südsudan

Bezirksapostel Wilfried Klingler war Ende April in den Südsudan gereist, um nach fünf Jahren wieder einmal die Gemeinde Torit zu besuchen, aber auch, um manches Organisatorische vor Ort zu klären. Hier ein Auszug aus seinem Reisebericht:

In den Straßen von Juba, der Hauptstadt Südsudans, kämpften Regierungstruppen gegen Rebellen, als ich im März vorigen Jahres dorthin gereist war. Inzwischen scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben, obwohl auch heute noch Soldaten und Panzer sowie UN‑Truppen das Straßenbild prägen.

Der zunächst politische Streit zwischen dem Präsidenten aus dem Stamm der Dinka und seinem Stellvertreter aus dem Stamm der Nuer ist nicht nur zu einer Stammesfehde geworden, die in einem Bürgerkrieg mündete, sondern hat nun auch auf andere Stämme übergegriffen.

Schwierige Situation im Norden

Inzwischen herrscht in weiten Teilen des Nordens Krieg. Vorsichtige Schätzungen gehen von 20.000 toten Zivilisten und über 1 Million Binnenflüchtlingen aus. Viele Städte und Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Leider sind davon auch einige hundert Geschwister in mehreren Gemeinden betroffen. Für unseren für den Sudan zuständigen Apostel Morris Ukuni besteht keine Möglichkeit, in den Norden zu reisen. Auch können wir unseren Not leidenden Geschwistern zurzeit keine Lebensmittel und andere dringend benötigte Versorgungsgüter oder Medikamente schicken. Einen Gottesdienst zu halten, ist für die verbliebenen Amtsträger kaum möglich oder aber sehr gefährlich.

Entspanntere Lage im Süden

Zum Glück sieht die Situation im Süden des Landes entspannter aus. Dorthin bin ich in der letzten Aprilwoche gereist. Mein Ziel war Torit, die Hauptstadt des Bundesstaates Ost‑Äquatoria im Südsudan.

Keineswegs kann man die dortigen Straßenverhältnisse mit den unsrigen vergleichen. Auf der Hinfahrt am Samstag brauchten wir bei 37 Grad und Sonnenschein für die 190 Kilometer lange Strecke in einem Geländewagen fünf Stunden. Die erste Teilstrecke (60 Kilometer) ist geteert, dann geht es nur noch über Schotterwege…

Unsere Fahrt führte uns an zwei im Bau befindlichen Kirchen vorbei. Natürlich legten wir einen Stopp ein, um die dortigen Geschwister zu begrüßen, die fleißig bei der Arbeit waren. Seitens der Kirche wird das Material für die Außensäulen und das Wellblech fürs Dach gestellt. Die Bauvorbereitung, also das Herrichten des Grundstücks, und schließlich das Errichten des Gebäudes erfolgen dann in Eigenleistung. Die Geschwister packen gern mit an, denn sie sind dankbar, dass sie sich nicht mehr unter freiem Himmel versammeln müssen. Ist ihr neues Zuhause fertig, sind sie sehr stolz darauf.

Trotz Starkregen freudige Gottesdienstbesucher

Wie wichtig ein Dach über dem Kopf sein kann, zeigte uns der Sonntag. In aller Frühe wurde ich durch das Geräusch von Starkregen geweckt. Die „Straßen“ glichen einer Seenlandschaft. Mir war in dem Augenblick nicht klar, wie unter diesen Umständen der Gottesdienst, der für 11 Uhr angesetzt war, stattfinden sollte.

Schließlich ging ich mit Regenjacke und Gummistiefeln zum Versammlungsort. Obwohl der Regen noch nicht nachgelassen hatte, empfingen uns die Geschwister mit Jubelgesängen und den typischen afrikanischen – oft ohrenbetäubenden – Freudenschreien.

Mit unserem Fahrzeug wurden noch etliche Geschwister, deren Grundstücke unter Wasser standen, zum Gottesdienst abgeholt, der dadurch erst knapp eine Stunde später beginnen konnte. Trotz der schwierigen Witterungsverhältnisse waren fast alle für die Versiegelung Vorbereiteten anwesend, sodass ich 80 Seelen dieses Sakrament spenden durfte.

In einem Land, wo Konflikte und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, wo gemordet wird und ganze Wohngebiete bombardiert werden, ist auch die Feier des Abendmahles für die Entschlafenen jedes Mal ein außerordentlich bewegender Moment.

Zum Ende des Gottesdienstes hörte es zu regnen auf und die Sonne brach sich Bahn durch eine dicke schwarze Wolkendecke.

Rückfahrt mit Hindernissen

Montagmorgen brachen Apostel Ukuni und ich zur Rückfahrt nach Juba auf. Zum Glück war das Wasser etwas abgelaufen. Dennoch war die Fahrt schwierig. Und dann das noch: Auf halber Strecke blieben wir wegen eines Bremsschadens liegen. Was nun? Um überhaupt weiterzukommen, blieb uns nichts anderes übrig, als die Ärmel hochzukrempeln und den Wagen selbst zu reparieren. Gut, wenn man in solch einer Situation einen Apostel zur Seite hat, der auch hier weiterhelfen kann.

Inzwischen bin ich wieder gut nach Deutschland zurückgekommen, denke aber noch oft an das Erlebte.

Diesen Bericht habe ich verfasst, um einen kleinen Einblick in die Arbeit in einem der ärmsten Entwicklungsländer Afrikas zu geben, aber vor allem, um darum zu bitten, für die Menschen in den Kriegsgebieten zu beten. Wir wollen unsere Glaubensgeschwister im Sudan nicht vergessen und Verständnis dafür haben, dass sie auf unsere finanzielle Unterstützung angewiesen sind!

W.K.