Apostel Steinbrenner hält Holocaust-Gedenkrede

(01.02.2013) Pinneberg. Auf Einladung vom Kreistag Pinneberg nahm Apostel Steinbrenner am Sonntag, 27. Januar 2013 an einer Andacht zum „Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus“ teil. In der Drostei Pinneberg hielt er vor rund 80 ausgewählten Gästen eine ergreifende Holocaust-Gedenkrede. Auch Kreispräsident Tiemann und Landesrabbiner Dr. Rothschild fanden bewegende Worte.

Neben Apostel Jörg Steinbrenner begrüßte Kreispräsident Burkhard Tiemann Vertreter aller Fraktionen, Bürgermeister, Bürgervorsteher, Pröpste sowie hochrangige Vertreter von Polizei, Bundeswehr und zahlreichen Verbänden. Gemeinsam feierten und würdigten sie – wie jedes Jahr am 27. Januar – den nationalen „Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus“, der 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt wurde. Das Datum geht zurück auf den Tag, als das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde: 27. Januar 1945.

Ansprache von Kreispräsident Tiemann

„Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir alles tun, um das Vermächtnis der Opfer, ihren moralischen Imperativ des „Nie wieder“ zu bewahren und an künftige Generationen weiter zu geben, dass wir den Blick auf den jüdisch-christlichen Dialog richten müssen und dass wir uns bei unserem politischen Handeln daran orientieren und unseren Blick für Gefahren von Totalitarismus jeglicher Art schärfen“, sagte Kreispräsident Tiemann, nachdem zuvor die Pianistin und Musiklehrerin Maria Livaschnikova die Feierstunde am Flügel emotional wie virtuos eingeleitet hatte.

Als schrecklichster Höhepunkt einer mörderischen Ideologie stehe Auschwitz stellvertretend für alle Vernichtungs- und Konzentrationslager. Man müsse daran erinnern und gemeinsam immer neu nach Formen des Erinnerns suchen, die eine Annäherung an das Geschehene ermögliche. Weiter stellte der Kreispräsident fest, dass jedes Volk eine moralische Verantwortung für seine Geschichte habe – auch und gerade für die düsteren Kapitel. „Die Menschheitsverbrechen der Nazis sind allgegenwärtig und für alle Zeiten ein Mahnmal, wohin menschliche Vermessenheit führen kann.“

Rede von Apostel Steinbrenner

Die Schilderung seiner ambivalenten Empfindungen, nämlich den Schmerz im Gedenken der Leiden der Opfer sowie die Freude darüber, dass das Unrechtssystem letztlich nicht die Oberhand gewonnen habe, setzte Apostel Steinbrenner an den Anfang seiner Rede. Dann ging er auf die Frage ein, wo Gott gewesen sei als verzweifelte Menschen zu ihm schrien und er nicht eingegriffen hätte. Die Antwort läge in Offenbarung 21,4: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, auch Leid und Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das erste ist vergangen.“

Abschließend wünschte sich Apostel Steinbrenner, dass Christen, Juden, Muslime und Atheisten gemeinsam zusammenstehen mögen – gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie gegen Diskriminierung von Andersgläubigen und von Minderheiten. Dies müsse nicht immer in großen Aktionen deutlich werden, sondern könne sich auch im Kleinen zeigen: „Wie begegne ich meinen Mitmenschen? Mit Respekt und Offenheit oder mit Ablehnung und Vorurteilen? Wie rede ich über andere? Und welche Saat säe ich in die Herzen von Kindern und Jugendlichen aus?“

Schlussworte von Landesrabbiner Dr. Rothschild

Im Anschluss an die Rede von Apostel Jörg Steinbrenner fuhr die erst fünfzehnjährige Schülerin Rosa Aicher von der Johann-Comenius-Schule Thesdorf mit einer Buchbesprechung fort, bevor Landesrabbiner Dr. Walter Rothschild vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden die letzte Ansprache der Gedenkfeier hielt. Dieser betonte – auch vor dem Hintergrund seiner Person und Religionszugehörigkeit –, dass an diesem Tage, dem Jahrestag der Befreiung des Stammlagers Auschwitz und des Lagers Birkenau in Schlesien, nicht allein der jüdischen Opfer gedacht werde.

„Wir gedenken des Untergangs einer Zivilisation. Es war das optimistische, humanistische, aufgeklärte Europa des 19. Jahrhunderts, das in diesen Jahren endlich zugrunde ging. Schon vorher, nach dem Ende von Kaisertum und Feudalismus durch den Ersten Weltkrieg, entwickelte sich in den 1920er und 1930er Jahren ein furchtbarer Totalitarismus – in Spanien, in Italien, in der neuen UdSSR und in Deutschland. Die Namen der Diktatoren sind bekannt. Sie waren alle sterblich und sie sind alle gestorben. Aber zuvor haben sie vielen anderen das Leben geraubt“, so der Landesrabbiner.

Text: Burkhard Tiemann, Björn Renz

Fotos: Heino Sartor