Zehn Fragen an den Librettisten des Pop-Oratoriums

(31.05.2013) Hamburg/Backnang. Am 1. und 15. Juni 2013 wird das Pop-Oratorium „Ich bin – Jesus in Wort und Wundern“ von Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen aufgeführt. Librettist Jürgen Deppert gibt im Interview Einblick in seine Arbeit und erklärt wie es ist, seine eigenen Texte zu singen.

Jürgen Deppert hat sich als Oratorien- und Opernsänger im In- und Ausland einen Namen gemacht. Zu seinem Angebot als freiberuflicher Musiker zählt ebenso das Verfassen von Liedtexten wie das Aufführen mehrerer Solo-Programme.

Herr Deppert, auf Ihrer Internetseite positionieren Sie sich als Sänger, nicht als Librettist…

Ja, das ist auch mein Job, besser gesagt meine Berufung. Librettist beziehungsweise Texter bin ich noch nicht so lange. Aber es wäre ganz nett, wenn sich dieses Standbein weiter entwickeln würde. In das Texten bin ich so reingerutscht. Irgendwie habe ich wohl ein ganz gutes Sprachgefühl – vielleicht weil ich in meiner Jugend Karl May komplett gelesen habe? (lacht) Sänger, also Bariton, bin ich seit zehn Jahren in Vollzeit, als Freiberufler. Öffentlich gesungen habe ich allerdings bereits schon als Kind und als Jugendlicher. Semi-professionell betreibe ich das Singen seit 1992 – da konnte ich meinen ersten Solo-Abend dem Publikum präsentieren. 17 Jahre war ich in der freien Wirtschaft tätig, wie man so sagt, davon ein paar Jahre als Produktmanager im Textilbereich. Davon profitiere ich übrigens noch heute als Sänger und Agent in eigener Sache. Mal sehen, welche Überraschung die Zukunft noch parat hat...

Blicken wir zunächst auf die Überraschung, dass an Sie der Auftrag gegangen ist, die Liedtexte fürs Pop-Oratorium „Ich bin – Jesus in Wort und Wundern“ zu schreiben. Als Sie im Sommer 2012 dem Pop-Oratoriums-Planungsteam um Bezirksapostel Rüdiger Krause Konzept und Text vorstellten, haben Sie folgenden Anspruch formuliert: „Jesus Christus besser kennen lernen!“ Heißt das, dass Sie der Meinung sind, viele Menschen würden Jesus Christus kaum kennen oder ein falsches Bild von ihm haben?

Grundsätzlich kann man das wohl so sagen, dass viele Menschen Jesus kaum kennen oder – ich sag mal – kein ausgewogenes oder umfassendes Bild von ihm haben. Da Jesus Christus der Ursprung und Kern des christlichen Glaubens ist, scheint mir jede positive Maßnahme recht, ihn besser kennenzulernen, zum Beispiel mit dem überaus geeigneten Transportmittel der Musik. Unabhängig davon beziehe ich das Zitat auch voll auf mich. Auch ich möchte und muss mich noch deutlich mehr mit Jesus beschäftigen. Die Erarbeitung des Textes zum Pop-Oratorium hat für mich bereits einige neue Erkenntnisse gebracht. Und da Jesus Christus wohl in Gänze unergründlich ist, kann wohl niemand behaupten, er kenne Jesus komplett. Und alle die noch ein Defizit verspüren, sind eingeladen, ein paar weitere Facetten Jesu über das Pop-Oratorium zu erleben – ja, erleben wird wohl das richtige Wort sein.

Haben Sie schon eine Vorahnung, wie Sie die Aufführungen erleben werden? Vor dem Hintergrund, dass 1.800 jugendliche Sängerinnen und Sänger Ihre Texte singen und große Zuschauermengen in der Westfalenhalle Dortmund und in der o2 World Hamburg Ihre Texte hören: Können Sie beschreiben, was Sie empfinden, wenn Sie daran denken?

Herzklopfen. Und große Freude, dass es diese Möglichkeiten gibt.

Kommen wir zu Ihren Texten: Die wohl kleinste Überraschung Ihres Werks ist, dass das letzte gesungene Wort „Amen“ sein wird. Ansonsten haben Sie – abgesehen von den „Ich-bin“-Worten Jesu – eine Sprache gewählt, die mehr zu „Pop“ als zu „Oratorium“ passt. Welche Rückmeldungen haben Sie bislang von den Sängern bekommen und mit welchen Reaktionen der Zuhörer rechnen Sie?

Das letzte Stück „Amen“ fällt raus, aufgrund der Gesamtlänge. Der letzte Satz wird dann „Ich bin das Leben“ sein. Aber zu den Rückmeldungen: Der Auftraggeber (Bezirksapostel Rüdiger Krause, Anm. d. Red.) sprach von „ganz toll, super, hervorragend.“ Das hat mich schon sehr gefreut – und überrascht, dass es im Prinzip keine Änderungswünsche gab. Ich nehme aber an, dass das eine oder andere Feedback noch rund um die Aufführungen kommen wird. Für die Komponisten war das Manuskript wohl ganz inspirierend, was man so hört. Am Rande: Was ganz direkt und auch emotionaler wirkt, ist natürlich die Musik. Und das ist gut so. Da stellt sich die Frage, warum Jesus nicht gesungen hat? Oder wenigstens nichts davon überliefert ist? Worte erfahren durch die Musik oft eine Steigerung, eine Überhöhung. Der Librettist steht somit nur in zweiter oder dritter Reihe.

Sie meinen, Musik schlägt Text? Also unter den Sängern ist besonders das Stück „Ohne Wein, keine Party“ beliebt. Was ist der Grund dafür? Liegt es am Text oder an der Musik?

Irgendjemand prägte mal das Zitat „Kurze Sätze, fetzige Rhythmen“, das bringt Erfolg. Diese Nummer beinhaltet wohl beides. Deshalb ist das Stück so eingängig. Man kann auch nicht ganz ausschließen, dass der eine oder die andere sich ganz gut persönlich damit identifizieren kann. Ich auch! Ich bin ja Schwabe und wir haben mittlerweile ganz gute Weine, die ich bei einem Fest nicht als störend empfinde. (lacht) Andere ziehen Bier vor. In Kana gab es das wohl nicht.

„Ohne Wein, keine Party“ klingt spannender als „Die Hochzeit zu Kana“, wie das Geschehen in der Bibel überschrieben ist. Glauben Sie, die Bibel wäre populärer, wenn die Formulierungen zeitgemäßer wären?

Na ja, es gibt ja schon Bibelübersetzungen, die sehr gut lesbar sind, sowohl was Sprache, als auch was das Schriftbild anbetrifft. Ich denke da zum Beispiel an die BasisBibel. Wichtiger als eine populäre Bibel ist aus meiner Sicht eine aktuelle Alltagssprache in der Verkündigung, also im Gottesdienst, in der Predigt. Damit könnte man ganz sicher noch mehr Menschen locken und überzeugen.

Mit welchem Satz aus dem Pop-Oratorium würden Sie die Leser denn zu den Aufführungen locken? Welcher ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Satz im gesamten Pop-Oratorium?

Ein Schwerpunkt im Pop-Oratorium sind ja die sieben „Ich bin“-Worte Jesu. Aus diesen paar Zitaten kann man meiner Meinung nach nicht den einen wichtigsten Satz definieren. Wenn, dann wohl nur „Jesus ist das Leben“, denn das ist eine sehr umfassende und zentrale Aussage. Mir persönlich gefällt außerdem dieser Satz sehr gut: „Die Fußspur Christi ist der Weg zum Himmel“

Ein anderer Satz ist zum Beispiel: „Fest mit ihm verbunden, und im Herz sein Wort bewegen, schenkt er alle Stunden, das was hilft zum Leben.“ Diesen Text kennen Sie auch aus den Proben, denn Sie singen ihn selbst. Wie fühlt es sich an, seinen eigenen Text zu singen?

Den eigenen Text zu singend ist gar nicht ohne, denn wenn man so lange daran herumgebastelt hat, weiß man am Schluss fast nicht mehr, welche Version denn nun die endgültig Letzte ist. Ich hoffe, dass ich die paar Zeilen bei den Aufführungen dann einigermaßen parat habe (lacht) – das Lampenfieber ist ja auch nicht zu vernachlässigen. Bei meinem aktuellen Solo-Programm „Oper uff Schwäbisch“ – wenn ich das sagen darf – lese ich meine selbstverfassten Texte auch teilweise noch ab, da ich von Auftritt zu Auftritt meist textlich noch am Optimieren bin. Die italienischen Originale klappen auswendig aber ganz gut. Unterm Strich entscheidet eh das Publikum, ob es gefällt oder nicht.

Sie haben schon bei zahlreichen Großprojekten erfolgreich mitgewirkt. Welchen Stellenwert hat das Pop-Oratorium für Sie als Musiker und welchen Stellenwert hat es für Sie als neuapostolischer Christ?

Nun, Großprojekte, das ist relativ. So ein großes Projekt wie das Pop-Oratorium hatte ich auch noch nicht. Insofern ist eine gewisse Aufregung nicht zu verleugnen. Mir hilft, gut zu proben, sprich mich bestmöglich vorzubereiten und dann mit Spaß und Freude an die Sache ranzugehen. Ich will das ja machen! Auch unter den Kollegen kann man sich ganz gut gegenseitig noch ein wenig locker machen und aufmuntern. Bloß nicht verkrampft nach Konzentration suchen. Unabhängig davon versuche ich ein guter Christ zu sein und freue mich über ökumenische Bemühungen. Und irgendwie ist das Pop-Oratorium ja auch ein ökumenisches Projekt. Unter den Akteuren sind ja nicht nur neuapostolische Christen. Und auch das Publikum wird multi-konfessionell sein.

Ausblick: Nach dem 1. Juni in Dortmund findet am 15. Juni 2013 in Hamburg die zweite und letzte Aufführung des Pop-Oratoriums statt. Meinen Sie, es bleibt bei nur zwei Aufführungen?

Ich hoffe, es geht weiter. Irgendwie bin ich auch überzeugt davon. Nur sicherlich dann in reduzierten Formen. Dieser immense Aufwand ist kaum noch einmal zu stemmen, denn das Pop-Oratorium ist eine Riesen-Kiste. Andererseits: Das Werk hätte es verdient, das es noch sehr häufig aufgeführt wird. Dank Jesus, der ja doch irgendwie der Auslöser war und ist.

 

Mehr Informationen zum Pop-Oratorium gibt es auf der offiziellen Internetseite: www.wort-und-wunder.de Tickets für die Aufführung am 15. Juni 2013 in Hamburg können unter http://www.de-vico.de/apps/nak/kartenverkauf/index.php/pop-oratorium.html bestellt werden.

 

Interview: Björn Renz

Fotos: Marc Schäfer