Palmsonntag mit Stammapostel Schneider in Hamburg-Lurup

(29.03.2015) Hamburg. Die Zahl der Gottesdienste eines Stammapostels, die in der Hansestadt gefeiert wurden, liegt bereits im guten zweistelligen Bereich, doch für Hamburg-Lurup war es eine Premiere: Mit Jean-Luc Schneider besuchte am heutigen Palmsonntag erstmalig ein Stammapostel die Neuapostolische Kirche Lurup.

Palmsonntag, der letzte Sonntag vor Ostern, gehört mit Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, dem Erntedanktag sowie Buß- und Bettag zu den Feiertagen, die die Neuapostolische Kirche jedes Jahr begeht. Alle Feiertage "gehen auf besondere Ereignisse zurück, an denen im Heilsplan Gottes etwas Wesentliches geschehen ist", wie es auf www.nak.org heißt, der offiziellen Internetseite der Neuapostolischen Kirche International.

Erinnerung an Jesu Einzug in Jerusalem

Über den Palmsonntag ist im Katechismus der Neuapostolischen Kirche zu lesen: "(...) An diesem Festtag wird an den Einzug Jesu in Jerusalem anlässlich der Feier des jüdischen Passafests erinnert: In Erfüllung einer Verheißung des Propheten Sacharja ritt der Herr auf einem Esel in die Stadt (Sach 9,9). Die Menschen bereiteten ihm einen triumphalen Empfang und bekannten in dem Ruf ‚Hosianna dem Sohn Davids!‘ (Mt 21,9) Jesus als Messias und Retter."

Zu dem besonderen Festtag hatten sich in Lurup neben Stammapostel Jean-Luc Schneider und dem gastgebenden Bezirksapostel Rüdiger Krause nicht nur die Apostel und Bischöfe aus Norddeutschland versammelt. Vom Stammapostel eingeladen waren zudem die Apostel Klaus Katens und Jens Korbien. Klaus Katens (59) ist seit neun Jahren als Apostel in Berlin-Brandenburg, Jens Korbien (53) seit mehr als 14 Jahren als Apostel in Mitteldeutschland tätig.

Johannes 12,14-16 und Markus 11,1-11

Beide Apostel sowie der Bezirksapostel ergänzten später die Predigt des Stammapostels, dessen Grundlage Johannes 12,14-16 war: "Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht: »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte."

Den Ausführungen des Stammapostels dazu und der Bibellesung (Markus 11,1-11), die von der jugendlichen Johanna Ide durchgeführt wurde, folgten neben den Luruper Mitgliedern noch viele Tausende weitere Kirchenmitglieder, die den Gottesdienst per Bild- und Ton-Übertragung erlebten: in den Gemeinden der Gebietskirchen Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, in Skandinavien, Finnland, Estland, Island, im United Kingdom und in Irland.

Von Erwartungen und Enttäuschungen

Stammapostel Schneider beleuchtete das oben erwähnte Palmsonntagsgeschehen und nannte in diesem Zusammenhang einige der damaligen Erwartungen an Jesus Christus, nämlich: weitere Wundertaten zu vollbringen (etwa Totenerweckungen wie bei Lazarus geschehen), allgemein die Lebensverhältnisse zu verbessern, konkret die Menschen von der Macht und Herrschaft der Römer zu befreien oder auch Israel als erwähltes Volk herauszustellen.

Dass all diese Erwartungen nicht erfüllt worden wären, war ein zentraler Aspekt in der Predigt des Stammapostels, der vor Augen führte, wie die Reaktionen und Äußerungen auf die Enttäuschung einiger damaliger Menschen in etwa ausgesehen haben könnten: "Jesus hat doch ein tolles Programm vorgestellt, aber die Strategie, die er nun anwendet, ist doch unmöglich!" So hätten sich damals viele von Jesus abgewandt, wie der Stammapostel bemerkte, die Apostel aber nicht.

"Heute ist das wohl nicht anders"

Zwar hätten auch die Apostel nicht jedes Wort und Verhalten Jesu nachvollziehen können, führte der Stammapostel weiter aus, doch sie wären den Impulsen des Heiligen Geistes gefolgt, der ihnen offenbart hätte, dass Jesus der Sohn Gottes sei. "Heute ist das wohl nicht anders", betonte der Stammapostel. Man erwarte von Gott – Vater und Sohn –, dass er Wunder tue, dass er ins Weltgeschehen eingreife, die Menschheit von Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg befreie.

Christen würden zudem oftmals erwarten, und da schloss Stammapostel Schneider ausdrücklich neuapostolische Christen mit ein, dass Gott deutlich zeige, dass sie auf dem richtigen Weg seien – und dass seine Kirche wachse. "Wir können uns, was den Gottesdienstbesuch angeht, in unserer Kirche noch über eine überdurchschnittlich hohe Quote freuen", doch es sei falsch anzunehmen, dass das Christentum immer und überall zunehmen müsse.

Heiliger Geist offenbart Entscheidendes

Mit menschlichen Denkweisen käme man bei der Betrachtung Gottes Werkes und Plans nicht weit, wie der Stammapostel unmissverständlich zu verstehen gab. Wirtschaftliche Ansätze, zum Beispiel "Wenn du ein gutes Produkt hast, und eine gute Strategie, bist du erfolgreich", seien nicht 1:1 auf die Kirche übertragbar. "Jesus ist kein Stratege und unsere Kirche ist kein Unternehmen", so der Stammapostel eindringlich. "Lasst uns auf den Heiligen Geist hören, wie er die Sache sieht."

Vom Heiligen Geist sei, wie der Stammapostel bemerkte, das Entscheidende zu erfahren: "Ich muss nur wissen, was ich tun muss, um erlöst zu werden und was mein Auftrag ist." Das könne in gewissen Lebensphasen schwierig zu akzeptieren sein, denn "der moderne Mensch will alles wissen und alles verstehen". Doch jeder müsse sich damit anfreunden. "Eins weiß ich", machte der Stammapostel Mut, "der Herr kommt, die Erlösung ist nahe. (...) Und das ist genug."

Hamburg-Lurup neu eingeweiht

Mit diesem Gedanken beendete der Stammapostel die Predigt in Hamburg-Lurup. Lurup bot nicht nur ihm, sondern auch den Aposteln und Bischöfen einen neuen Anblick, denn bis vor wenigen Tagen wurde das Kirchengebäude umgebaut. Wenngleich keine Weihe mehr vollzogen werden musste und nun bereits der vierte Gottesdienst im neuen Anstrich stattfinden konnte, so ist Lurup "heute neu eingeweiht" worden, wie Gemeindemitglieder nach dem Gottesdienst empfanden.

Ähnlich äußerten sich im April 1997 die Mitglieder der Gemeinde Elmshorn, als der damalige Stammapostel Richard Fehr seinen ersten Besuch in der Gemeinde durchführte. Mit dem gestrigen Tag suchte zum zweiten Mal ein Stammapostel Elmshorn auf. Denn dorthin hatte – um mit einem Konzert auf den heutigen Gottesdienst einzustimmen – das Junge Orchester des Hamburg-Orchesters gemeinsam mit dem Jugendchor des Bezirks Hamburg-West eingeladen (wir berichteten).

Hamburg-Lurup und Elmshorn

Unter den Gästen an beiden Tagen befand sich auch Stammapostel i.R. Wilhelm Leber mit seiner Frau Barbara. Besondere Erinnerung dürften sie an Elmshorn haben, denn im erwähnten Stammapostel-Gottesdienst 1997 erhielten sie den Segen zu ihrer silbernen Hochzeit. "Ich wünsche euch", so wandte sich Richard Fehr an seinen späteren Nachfolger mit Ehefrau, "dass ihr einander erhalten bleibt (...) und ein Segen sein könnt für Gottes Volk und Werk."

Während das Ehepaar Leber damals 25-jähriges Jubiläum feierte, feierte die Gemeinde Elmshorn 75-jähriges Bestehen. Ihre gute Entwicklung hat Elmshorn besonders in den Anfangsjahren zwei Gemeinden zu verdanken, die sie durch das Entsenden von Seelsorgern zur Durchführung ihrer Gottesdienste unterstützten: Hamburg-Eimsbüttel, die heute zum Kirchenbezirk Hamburg-Nord gehört, und – mit Blick auf gestern und heute bemerkenswert – Hamburg-Lurup.

Hamburg-Lurup gestern und heute

Die Gemeinde Lurup, die von Hirte Michael Peper als Vorsteher geleitet wird, gehört zu den ältesten neuapostolischen Gemeinden weltweit. Der erste Gottesdienst fand bereits 1874 statt. 140 Jahre später zählt Lurup etwa 447 Mitglieder, bedingt allerdings auch durch die Aufnahme von einigen Mitgliedern der Ende 2005 aufgelösten Gemeinde Hamburg-Bahrenfeld und durch die im Juli 2013 vollzogene Zusammenführung mit der Gemeinde Hamburg-Iserbrook.

Hamburg-Lurup gehört zum drittgrößten Kirchenbezirk in Norddeutschland (gemessen an der Anzahl der Gemeinden). Denn mit Lurup machen elf weitere Gemeinden den Bezirk Hamburg-West aus: Neben der bereits erwähnten Gemeinde Elmshorn zählen zum von Holger Grasshoff geleiteten Bezirk die Hamburger Stadtgemeinden Blankenese, Eidelstedt und Finkenwerder sowie Barmstedt, Kaltenkirchen, Pinneberg, Quickborn, Schenefeld, Uetersen und Wedel.

Text und Fotos: Björn Renz