Reaktion auf Corona:
Gemeinden nutzen
vermehrt digitale Angebote

„PrayHome“ – so lautet der Slogan, den aktuell viele neuapostolische Christen in den sozialen Netzwerken teilen, angelehnt an den Slogan „stayHome“ (zu Deutsch: Bleibt zu Hause - Betet zu Hause). Neuapostolische Christen berichten, was sie – abgesehen von Gebeten – noch alles von zu Hause aus für ihren Glauben und für ihre Gemeinde tun.

Vor etwa einer Woche wurden alle Gottesdienste und kirchlichen Veranstaltungen der Gebietskirche Nord- und Ostdeutschland aufgrund der Corona-Pandemie bis zum Donnerstag, 2. April 2020 abgesagt. „So etwas wie jetzt hat wohl noch keiner von uns erlebt“, so Bezirksapostel Rüdiger Krause, „Aber das sind Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen und auch stellen können.“ Und dies gelinge insbesondere durch das Engagement der vielen ehrenamtlich tätigen Amtsträger und Gemeindemitglieder.

Innerhalb weniger Tage haben neuapostolische Christen zahlreiche Ideen entwickelt und bereits umgesetzt, um weiterhin die Verbindung zwischen den Gemeindemitgliedern aufrecht zu erhalten: So entstanden neue WhatsApp Gruppen, Amtsträger haben sich zu Web-Konferenzen verabredet und der Gemeindebrief wurde zum digitalen Newsletter umfunktioniert. Anstelle der sonst üblichen Berichte und Fotos über lokale Veranstaltungen, enthalten die Newsletter nun die wichtigsten Meldungen der Gebietskirche, aber auch Impulse und Worte der Bezirks- und Gemeindevorsteher.

Broadcast-Newsletter und gemeinsame Gebete

Der Bezirk Braunschweig entwickelte in den letzten Tagen ein Konzept für einen wöchentlichen Broadcast mit immer wiederkehrenden Rubriken. So werden auch aufkommende Fragen der Mitglieder gesammelt beantwortet. Gesendet wird der Broadcast zur sonst unterhalb der Woche gewohnten Gottesdienstzeit, mittwochs um 19.30 Uhr. „Schon während unserer ersten circa 45-minütigen Sendung gab es zahlreiche positive Rückmeldungen“, freut sich Bezirksältester Harald Schwab.

Der Mittwochstermin wird auch im Bezirk Hamburg-Süd dazu genutzt, um sich vor allem im gemeinsamen Gebet miteinander zu verbinden. Bezirksvorsteher Wolfgang Hausmann sendet dazu ein Bibelwort und einige Gedanken an die Mitglieder, um die Verbundenheit zu bestärken.

Hilfe für ältere Mitglieder

Auch die Mitglieder ohne Internetanschluss sollen versorgt werden: Gemeinden wie Merseburg und Pinneberg haben „Sammelstellen“ für Grüße und Wortmeldungen der Gemeindemitglieder eingerichtet, um diese dann wöchentlich per E-Mail oder Post an alle schicken zu können. „So hat jeder die Möglichkeit, eigene Gedanken an die Gemeinde zu richten“, so Gemeindevorsteher Priester Frank Schulz aus Pinneberg.

In Plauen sorgen Postkarten mit geistlichen Impulsen wie Grüßen und in Genthin ein selbstverfasstes Gedicht für Aufmunterung. Gerade ältere Menschen seien in dieser Zeit auf die Hilfe anderer angewiesen, heißt es von den Mitgliedern. Dies erkannten auch die Jugendlichen aus Buxtehude, Lübeck oder Merseburg, die ihre Zeit dafür einsetzen, um für Hilfsbedürftige die notwendigen Einkäufe zu tätigen.

Digitale Jugendstunden

Auch Jugendliche sollen weiterhin einen Ort für den Austausch über ihren Glauben finden, so die Meinung der Jugendbetreuer im Bezirk Hamburg-West, die kurzerhand eine digitale Jugendstunde per Skype-Konferenz durchführten. „Es haben genauso viele Jugendliche wie sonst an der Jugendstunde teilgenommen“, berichtet Priester Julian Storm. „Wir tauschten uns zum Thema ‚Sonntag wird in deinem Kopf kreiert‘ aus.“

Zuvor wurden ein paar Regeln festgelegt, damit nicht alle Teilnehmer durcheinander sprechen. So sollten Wortmeldungen über eine Chatfunktion angekündigt werden. Priester Stroms Fazit nach der ersten Jugendstunde: „Es hat gut funktioniert und wir haben Einblicke gewonnen, wie es den Jugendlichen ohne Gottesdienstbesuch ergeht.“

In Wilhelmshaven sollen die Kinder durch Bastelanleitungen zu Palmsonntag oder Back-Ideen für Pessach-Brot mit einbezogen werden. Andere Gruppen, wie Gemeindechöre „verteilen“ YouTube-Videos, die zum gemeinsamen Singen zu Hause motivieren. Einige von ihnen übermitteln auch selbstaufgenommene Musikständchen per Video oder Telefon, um der Gemeinde eine Freude zu bereiten.

Ökumenische Verbundenheit

Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass auch andere Gebietskirchen und Konfessionen neue Möglichkeiten des Zusammenhalts für sich entdecken. In der Gebietskirche Westdeutschland trifft sich eine kleine Gruppe von Mitgliedern jeden Tag um 6.15 Uhr zum gemeinsamen Bibelstudium via Online-Konferenz.

Genauso ist Ökumene in dieser Ausnahmesituation möglich. In Nordenham werden Christen jeden Mittwoch um 19.30 Uhr zum gemeinsamen „Unser Vater“-Gebet aufgerufen, begleitet vom Glockenläuten der Kirchen in der Stadt. Einen Raum für Gebet und Andacht bietet auch das Ökumenische Forum Hafencity in Hamburg. Von 10 bis 18 Uhr ist die Kapelle geöffnet.

Sammlung weiterer Anregungen und Ideen

Weitere Berichte über Ideen und Anregungen sowie Aktionen (gerne mit Fotos) aus den Bezirken und Gemeinden können per E-Mail an Jennifer Jendral  gesendet werden.