Wir können uns von Gott getröstet wissen und deshalb auch getrost in dieser Zeit sein.

Ältester Andreas Schwesig wendet sich am 20.02.2020 an die Geschwister aus Hamburg-Ost:

Liebe Geschwister,

es ist für mich in diesen Tagen schon ein seltsames Gefühl, abrupt keine „richtige“ Gemeinschaft mehr mit Euch zu haben.  Wir sehen uns nicht mehr so wie bislang, Gespräche finden fast nur noch am Telefon statt. Der Alltag stellt uns vor Probleme, die wir so bislang noch gar nicht kannten. Wir gehen zu unseren Mitmenschen in diesen Tagen auf ungewollte, aber notwendige und vernünftige Distanz.

Und, in diesen Tagen haben wir es auch mit dem Faktor Angst zu tun. Angst vor der Infektion mit dem Corona-Virus. Es kann uns selbst treffen, es kann unsere Liebsten treffen, es kann unsere Geschwister treffen, es kann unsere Nächsten treffen und es kann auch die treffen, die wir nicht so in unser Herz geschlossen haben. Mag es keinen treffen! Und dennoch werden weitere Menschen an der Infektion sterben.

Ich möchte Euch Mut machen, zu ringen und zu beten. Lasst uns unseren großen Gott darum bitten, dass er uns und allen Menschen beisteht. Auch unseren „Feinden“. 

Nun ein kleiner Hinweis zum Stichwort Angst. Unser großer Gott steht uns in allen Dingen bei. Das ist ein großer Trost, auch wenn wir nicht genau wissen, wie sich die Verhältnisse entwickeln werden. 

Auf jeden Fall haben wir den Frieden des Auferstandenen auf unserer Seite. Mag es auch in uns Frieden, Ruhe und Glaubensgelassenheit bewirken. Jesus hat zu seinen Jüngern und Nächsten in einer besonderen Situation, in der sie auch nicht wussten, wie sich alles entwickeln würde, folgendes gesagt:

„Solches habe ich mit euch geredet, dass ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Johannes 16.33

Für mich sagt dieses Wort von Jesus, dass Gott der Vater über allem steht. Wir können ihn um alles bitten. Er ist da, auch in dieser schwierigen Zeit. Dieses Wort sagt mir aber auch noch, dass nicht alles um das jetzt und hier geht, sondern am Ende um die ewige Gemeinschaft mit Gott. Trotzdem brauchen wir seine Hilfe jetzt, wo wir uns Sorgen machen. Er ist da! Wir danken Gott dem Vater, dass wir ihn in dieser Zeit anrufen dürfen. Für den Nächsten, aber auch für uns selbst. Wir können uns von Gott getröstet wissen und deshalb auch getrost in dieser Zeit sein.

Jetzt habe ich im Eingangssatz von der mir fehlenden Gemeinschaft mit Euch gesprochen und den Begriff von der „richtigen“ Gemeinschaft verwendet. Gern möchte ich die Frage aufwerfen: Was ist „richtige“ Gemeinschaft? Ist es das einfache Zusammensein, der Austausch von Gedanken, die Gespräche miteinander, die Party…?

Ich denke, wir sind ganz dicht beieinander, wenn wir hier an die Gottesdienstgemeinschaft denken.

„Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Apostelgeschichte 2.42

Auch wenn wir momentan, situationsbedingt keine echte Gottesdienstgemeinschaft haben können, bleibt die „richtige“ Gemeinschaft mit Gott unserem Vater. Warum? Wir haben den Geist Gottes empfangen und bleiben bei unseren Aposteln. Wir verbinden uns in der Gemeinschaft mit Bruder und Schwester von Herz zu Herz. Wir beten für einander, wir hören Gottes Wort (zwar in weniger Gottesdiensten, aber dafür in Zentralgottesdiensten) und wir erhalten in dieser Gemeinschaft die Sündenvergebung.

Jetzt kann die Frage aufkommen, was ist mit der Abendmahlsgemeinschaft? Die fehlt doch jetzt. Ja, Ihr lieben, das stimmt, und die fehlt mir auch. Und es bekümmert mich derzeit auch, dass wir in dieser schwierigen Situation noch nicht einmal unsere schwerkranken Geschwister richtig versorgen können. Aber, seid auch hierin getrost. Unser großer Gott weiß um diese Dinge und wird uns beistehen.

Der Stammapostel sagte in diesen Tagen:

„Aber gestattet mir ausnahmsweise, an das zu erinnern, was ich für den Gottesdienst am 5. Januar dieses Jahres geschrieben habe: In Bedrängnis vertrauen wir auf Gott. Er hat uns errettet und wird uns weiterhin erretten (2. Kor 1,10). Wir wissen nicht, warum Gott eine solche Situation zulässt. Aber ich bin gewiss, dass diese Zeit des geistlichen Mangels dazu beitragen wird, dass wir mehr denn je erkennen, wie wichtig der Gottesdienst, die Amtsträger und das Heilige Abendmahl für uns sind. Vertrauen wir auf Gott: Er weiß immer, wie er denen, die ihn lieben, das geben kann, was für ihr Heil unverzichtbar ist.“

Mit diesen trostreichen Gedanken unseres Stammapostels, der, wie auch unsere Apostel, täglich für uns alle betet, möchte ich schließen und grüße euch von Herzen,

euer Andreas Schwesig