Das Kirchenjahr - Der Osterfestkreis

2015 und 2016 wurde im Gemeindebrief eine viertellige Serie zum Kirchenjahr veröffentlich, die Evangelist i. R. Wolfgang Weber geschrieben hat. Anlässlich der Osterfeiertage, hier nun der dritte Teil "Der Osterfestkreis".
 

Nach dem Durchleben des Weihnachts-Festkreises haben wir mit dem Sonntag Septuagesimä am 24. Januar einen neuen bedeutsamen Teil des Kirchenjahres betreten, den Osterfestkreis, der mit dem Pfingstfest endet.

Das Osterfest ist das älteste uns bekannte christliche Jahresfest. Eindeutige Zeugnisse für eine Feier des Passahfestes finden sich im 2. Jahrhundert zum Gedächtnis des Todes Jesu mit langer Nachtwache bis zum Morgen, also die älteste Oster-nachtfeier. Über einen verbindlichen Ostertermin allerdings konnte man sich erst auf dem Konzil von Nicäa (heute in der Türkei) im Jahre 325 einigen. Das Konzil entschied, dass Ostern seitdem immer am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang gefeiert wird. Und so ist es noch heute.

Beispiel für 2016: Frühlingsanfang am 20. März (Palmsonntag), nächster Vollmond am Mittwoch, 23. März, der Sonntag darauf ist Ostern (27. März)

Eingeleitet wird der Osterfestkreis durch die drei Sonntage vor der Passionszeit, auch Vorfastenzeit genannt, gefolgt vom Aschermittwoch am 10. Februar. Damit beginnt die 40-tägige (außer Sonntage) Passions- oder Fastenzeit, die am Karsamstag, also einen Tag vor Ostern, endet. Biblischer Hintergrund für die Festsetzung der Passionszeit auf 40 Tage ist das ebenfalls 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste (Mt. 4,2). Die Zahl „40“ erinnert aber auch an weitere biblische Begebenheiten, z. B. blieb Mose 40 Tage auf dem Berg Sinai, das Volk Israel zog 40 Jahre durch die Wüste u. a.

Der Schwerpunkt der Passions- bzw. Fastenzeit liegt allerdings nicht allein auf dem Leiden Jesu, sondern vielmehr auf unserer ganz bewussten Ausrichtung auf das Wirken Gottes an uns durch Jesus Christus.

So führt uns nun die Passionszeit direkt auf den Leidensweg Christi mit seinem Einzug in Jerusalem am Palmsonntag, seinem schmachvollen Kreuzestod am Karfreitag und letztlich zum Ostersonntag, der mit der Auferstehung Jesu und damit seinem Sieg über Tod und Sünde alles überstrahlt. Zu Recht wird damit Ostern als das bedeutendste Hochfest der Christenheit angesehen. Ohne den Glauben an seine Auferstehung ist der Glaube an Jesus Christus sinnlos (vgl. 1 Kor. 15,14).

Fünfzig Tage nach diesem grandiosen Ereignis, auf welches sich unser ganzer Glaube und unsere Hoffnung gründet, feiert die Christenheit das Pfingstfest, die Ausgießung des Heiligen Geistes und der Kraft Gottes. Vor seiner Himmelfahrt hatte der auferstandene Herr diese einmalige Begebenheit seinen Aposteln verheißen (Lk. 24,49). Paulus beschreibt das wunderbare Geschehen am Pfingsttag (vgl. Apg. 2), das die Kraft des Heiligen Geistes allen Menschen zugänglich gemacht hat.

Dieses Pfingstwunder ist dann auch das letzte große Fest des Osterfestkreises, der abgelöst wird vom Trinitatiskreis, der das Kirchenjahr beschließt. Diesem Thema werden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt zuwenden.  

Wolfgang Weber

Gedanken zum Kirchenjahr - Teil 1 "Was ist eigentlich das Kirchenjahr?"