Tanzen in der Kirche? Gedanken zum Choral "In dir ist Freude"

Am Mittwochabend, den 6. Mai, hörten wir in der Bezirksandacht den Choral „In dir ist Freude“, der auch in unserem Jugendliederbuch zu finden ist. Hier der Beitrag von Katja Post aus Geesthacht mit Gedanken zu diesem Choral:

"Die Gedanken zu diesem Choral möchte ich mit der Frage überschreiben: Tanzen in der Kirche?

In dir ist Freude / in allem Leide / o du süßer Jesu Christ.

Durch dich wir haben / himmlische Gaben / du der wahre Heiland bist, hilfest von Schanden / rettest von Banden. / Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet / wird ewig bleiben. / Halleluja.

Ein bekannter (oder vielleicht auch nicht?) Choral mit einer erfrischenden beschwingten Melodie.

Ganz spannend ist, wie es eigentlich zu diesem Choral kam. Er führt uns nach Italien ins 16. Jahrhundert, irgendwo zwischen Mailand und Venedig.

Der Komponist Giovanni Gastoldi schrieb diese schwungvolle Melodie ursprünglich zu dem weltlichen italienischen Text „ L‘innamorato“ – was soviel heißt wie „Der Verliebte“: Ein Liebeslied auf Amor – den Gott der Liebe und des „Sich-Verliebens“. Hierin rühmt der Komponist den Gott Amor, der in Gestalt eines halbwüchsigen Knaben sicher mit Pfeil und Bogen umgehen kann und dessen Pfeile mitten ins Herz treffen und die Liebe erwecken.

Erst Jahre später (1598) wurde das italienische Tanzlied Gastoldis mit einem geistlichen deutschen Text unterlegt und es entstand der Choral „In dir ist Freude“ mit einem ganz anderen Sinn.

Eine Musik – zwei Texte. Ein geistlicher und ein weltlicher – ein deutscher und ein italienischer. Aus dem heidnischen Gott der Liebe – Amor - wird der liebende Gott der Christen, der süße Jesu Christ. Aus dem Herzensbrecher, der mit der Liebe und seinen Opfern Scherz und Unwesen treibt, wird der Tröster, der gebrochene Herzen heilt. Ein Tröster, der uns zwar kein fröhliches Leben ohne Kummer und Sorgen verspricht – er verspricht uns aber, selbst in weniger sonnigen Zeiten, voller Güte die Treue zu halten:

„... zu deiner Güte / steht unser G'müte / an dir wir kleben / im Tod und Leben / nichts kann uns scheiden.“

In dir ist Freude in allem Leide ..... eine geistliche Freude, die nicht nur die fröhlichen Stunden auf dieser Erde zählt, sondern sie schließt alle Lebenslagen mit ein: die Trauer, den Abschied, die Verlassenheit, aber eben auch Glück und Erfolg. Die Freude, die aus dem „süßen Jesu Christ“ erwächst, verschwindet nicht in schlechten Zeiten. Sie ist immer da, sie ist ewig und lässt sich auch durch Tod und Teufel nicht vertreiben.

(Vers 2)
„wenn wir dich haben / kann uns nicht schaden / Teufel, Welt, Sünd oder Tod / du hast's in Händen / kannst alles wenden / wie nur heißen mag die Not“.

Not gab es im 16. Jahrhundert in Deutschland viel: Da gab es religiöse und politische Kämpfe, Pest und Hungersnöte mit vielen Toten. Die Zukunft ließ kein fröhliches Leben erwarten. In der Not besann sich der Mensch damals und sicher auch aktuell heute wieder auf Gebet und Gesang.  In den Kirchen wurden Trostlieder angestimmt, die trotzdem fröhlich und voller Hoffnung und Freude klingen – wie dieses.

Eine Freude über einen liebevollen Jesus und einen liebenden Gott. Ein süßer Jesu, der „himmlische Gaben“ beschert, „alles in den Händen hält“ und „jede Not wenden kann“.

„wer dir vertrauet / hat wohl gebauet“ - wahre himmlische Freuden.

Es gibt viele Trostlieder aus der Zeit. Auch der geistliche Text ist nicht ungewöhnlich. Aber nur wenige sind so beschwingt und leicht wie dieses. Es sprüht vor Lebensfreude und lässt jeden die Freude spüren. Kaum ein Kirchenchoral lädt so zum „Tanzen“ ein – zumindest zu einem „tanzenden Herzen“.

Ein geistlicher Text zu einer weltlichen Musik – passt nicht? Doch! Die Worte für den Verstand – die Musik fürs Herz und damit Freude für die Seele. Die Freude, die uns der süße Jesu Christ schenken will, ist nicht irgendwo. Sie ist hier dicht bei uns und will vor allem unser Herz berühren.

Wer von dieser Freude getroffen wird – wie von den Pfeilen Amors im italienischen Ursprungstext – kann nicht anders als singen, tanzen und jubilieren.

Wenn wir wieder an die Ausgangsfrage zurückgehen: Tanzen in der Kirche? Klar – zumindest innerlich und mit ganzem Herzen.

„Drum wir dich ehren / dein Lob vermehren / mit hellem Schalle, freuen uns alle / zu dieser Stunde. (Halleluja)

Wir jubilieren / und triumphieren / lieben und loben / dein Macht dort droben / mit Herz und Munde. (Halleluja)"