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Sakramente

Sakramente sind Handlungen, die in der Kirche als heilig gelten. Es sind besondere Riten, bei denen es immer um Gemeinschaft geht: um die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und vor allem ihre Beziehung zu Gott. In der Neuapostolischen Kirche gibt es drei Sakramente: Die Heilige Wassertaufe, die Heilige Versiegelung und das Heilige Abendmahl.

Heilige Wassertaufe

„Taufe“ ist einer jener alten religiösen Begriffe, die es bis in unsere Alltagssprache geschafft haben. Wenn etwas „aus der Taufe gehoben“ wird, wird es zum Leben erweckt – etwa eine Idee oder ein neues Projekt. Oft wird auch von „taufen“ gesprochen, wenn Dingen ein Name gegeben wird. Geräte oder Fahrzeuge, nicht zuletzt Schiffe, werden „getauft“, also feierlich in Betrieb genommen und dabei benannt. In jedem Falle ist es immer ein freudiges Ereignis und eine Handlung, die nie im Stillen stattfindet, sondern in fröhlicher Gemeinschaft. Genauso ist es auch dort, wo all diese „Taufen“ ihren begrifflichen Ursprung haben: in der Kirche. Dort ist es aber noch viel mehr als nur ein feierlicher Akt.

Der Mensch bekennt sich zu Gott

Wenn ein Mensch sich taufen lässt, wird er in die Kirche aufgenommen: Er wird Teil der „Kirche Christi“, also der Gemeinschaft derjenigen, die an Jesus Christus glauben und ihn „als Herrn bekennen“, wie es in altem Kirchendeutsch heißt. Bei der Taufe bekennt sich der Mensch zu Gott und sagt „Ja“ zu ihm. Aber dieses Bekenntnis ist nicht einseitig. Auch Gott sagt bei der Taufe „Ja“ zum Menschen: Ja, ich bin für dich da, dein ganzes Leben, ohne Wenn und Aber, auch dann, wenn du dich von mir abwendest.

Das Sakrament der Taufe wird meist in einem regulären Gottesdienst mit der Gemeinde gefeiert. Getauft wird mit Wasser. In der Neuapostolischen Kirche zeichnet der Priester dem Täufling – also dem Menschen, der sich taufen lässt – drei Kreuzzeichen mit Wasser auf die Stirn. Dazu spricht er die Worte: „Ich taufe dich in dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Die Bibel erzählt davon, dass auch Jesus sich taufen ließ, indem er im Jordan untertauchte. Später gab er seinen Jüngern den Auftrag, auch andere zu taufen: „Gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes …“ Das Wasser als Element verweist außerdem darauf, dass nach christlicher Vorstellung mit der Taufe alles Ungute, das den Menschen von Gott trennt, abgewaschen wird.

Taufe von Kindern und Erwachsenen

In der Neuapostolischen Kirche werden sowohl Kinder als auch Erwachsene getauft. Bei Kindern geben deren Eltern stellvertretend das Bekenntnis zu Jesus Christus ab. Wenn die Kinder mit 14 Jahren religionsmündig sind, können sie dieses Bekenntnis bei der Konfirmation bestätigen. Jede Taufe, die mit Wasser und im Namen des dreieinigen Gottes vollzogen wird, ganz gleich in welcher Konfession, erkennt die Neuapostolische Kirche als gültig an, wie dies umgekehrt auch die anderen Kirchen der Ökumene tun.

Heilige Versiegelung

Die Heilige Versiegelung sticht unter den drei Sakramenten der Neuapostolischen Kirche am stärksten hervor, weil es ein stark apostolisch geprägtes Sakrament ist, auch wenn es der katholischen Firmung ähnlich scheint.

Die Bedeutung der Versiegelung hat sich im Laufe der Kirchengeschichte mehrfach gewandelt. Heute wird es als das Sakrament verstanden, das die Wassertaufe quasi komplettiert: Getaufte Gläubige empfangen bei ihrer Versiegelung die „Gabe des Heiligen Geistes“, wie es offiziell heißt. Sie sind dann „wiedergeboren“ aus „Wasser und Geist“. Sie bekennen damit nicht mehr nur ihren Glauben an Gott als Vater, Sohn und Heiligem Geist, sondern auch an die Apostel und daran, dass diese im Auftrag Jesu Christi tätig sind. Damit rückt auch ein zentrales Motiv des neuapostolischen Glaubens ins Blickfeld: die Erwartung, dass Jesus Christus wiederkommt und dann diejenigen um sich versammelt, die an ihn geglaubt und auf ihn gewartet haben.

Anders als die Wassertaufe wird das Sakrament der Heiligen Versiegelung ausschließlich von Aposteln gespendet. Sie legen den Gläubigen bei der Versiegelung die Hand auf und sprechen dazu ein Gebet. Auch Kinder empfangen dieses Sakrament. Wie bei der Taufe sind es auch hier die Eltern, die dann stellvertretend das notwendige Bekenntnis ablegen.

Heiliges Abendmahl

Das Heilige Abendmahl zeigt, dass Glauben auch etwas Sinnliches ist. „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“, heißt es schon in einem alten Psalm. Gleichzeitig ist das Abendmahl auch das geheimnisvollste der Sakramente. Die Konfessionen messen ihm unterschiedliche Bedeutung zu, aber alle feiern es im Gedenken an das letzte Abendmahl, das Jesus im Kreis der engsten Vertrauten am Vorabend seines Todes gefeiert hat. Brot und Wein stehen dabei im Mittelpunkt.

Gleichzeitig regt das Abendmahl seit je her auch zum Widerspruch an. Am Beginn steht eine provozierende Aussage Jesu: Wer nicht „sein Fleisch“ esse und „sein Blut“ trinke, habe „kein Leben“ in sich. Die sprachlichen Bilder, die dem Abendmahl seinen Sinn geben, sind erklärungsbedürftig. Die Gläubigen „genießen“ beim Abendmahl „Leib und Blut Jesu“. Manche alten Kirchenlieder, die die Gemeinde auch heute noch zur Abendmahlsfeier singt, sind blutgetränkt: „…dein Blut mein Freudenmeer“, „sein Blut wusch meine Seele rein“ oder auch „… dein Blut! Ich tauche mich tief hinein in diese Flut“. Schon die Bibel berichtet davon, dass sich Menschen von Jesus abwandten angesichts dieser drastischen Aufforderung. Erst kurz vor seinem Tod eröffnet er denjenigen, die sich nicht abbringen ließen, was er mit seinen Worten gemeint hatte: Beim letzten Abendmahl erklärt er Brot und Wein zu seinem Fleisch und Blut.

Zum Gedächtnis an das Leiden und Sterben Jesu

Seither feiert die Christenheit das Abendmahl mit Brot und Wein zum Gedächtnis an das Leiden und Sterben Jesu und an seine Auferstehung. Und doch ist es mehr als nur ein symbolischer Akt. Nach neuapostolischer Lehre werden Brot und Wein beim Abendmahl zwar nicht sichtbar, aber doch wahrhaftig zu Leib und Blut Christi. Mit anderen Worten: Gott selbst gibt sich also im Abendmahl den Gläubigen hin. Sie empfangen es in Form einer Hostie, also einer Oblate, die ungefähr den Durchmesser eines Zwei-Euro-Stücks hat. Auf ihr sind drei Weintropfen geträufelt. Der Priester reicht die Hostie mit den Worten: „Der Leib und das Blut Jesu für dich gegeben“. Die Gläubigen nehmen sie und antworten darauf mit „Amen“.

Das Abendmahl führt also nicht nur die Gläubigen untereinander zusammen, sondern verbindet sie auch mit Jesus Christus. Das Bild des „Leibes Christi“ erinnert daran, dass in den biblischen Schriften auch die Gemeinschaft der Gläubigen als „Leib Christi“ bezeichnet wird. Sie selbst sind durch die Taufe Teil dieses „Leibes“. Das Abendmahl verstärkt damit den Gedanken des Dazugehörens. Wer es feiert, erneuert sein Bekenntnis zu Jesus Christus. Außerdem ist es unter dem Gedanken von Tod und Auferstehung eine Erinnerung daran, dass Christus zugesagt hat, wiederzukommen. Das gemeinsame Mahl ist auf diese Weise ein Stück vorweggenommenes Himmelreich – ein gemeinsames Innehalten und sich Stärken für den weiteren Weg.