Gottesdienste

Gottesdienste sind die Lagerfeuermomente des christlichen Glaubens. Hier kommen die Gläubigen zusammen, um für kurze Zeit auf Abstand zu ihrem Alltag zu gehen und innezuhalten. Sie tun es nicht allein, jede und jeder für sich, sondern gemeinsam. Das, was sie während der Woche beschäftigt, was sie belastet oder erfreut hat, bringen sie mit – vielleicht, um es mit anderen, vor allem aber mit ihm zu teilen: Gott.

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Begegnung mit Gott

Im Gottesdienst berühren sich Himmel und Erde. Gott und Mensch begegnen sich. Gottesdienst, das ist ein Wort auf dem Weg, das etwas mit dem eigenen Leben zu tun hat. Das ist Trost und auch ein Befreien von innerer Last. Es ist auch das Fühlen, dass der eigene Glaube verankert ist. Gottesdienst ist Musik, aber auch Stille. Für viele ist er eng mit dem Ort verknüpft, an dem er gefeiert wird, mit der eigenen Gemeinde, der andächtigen Atmosphäre des Raumes. Gottesdienst, das ist Gemeinschaft im Glauben, Lieben und Hoffen.

Häufig werden neuapostolische Christinnen und Christen gefragt, ob ihr Glaube „mehr katholisch oder mehr evangelisch“ sei. Die Antwort darauf ist nicht so trivial wie die Frage vermuten lässt. Aber zumindest, was die Gottesdienste angeht, ist die Antwort einfach: Sie stehen in reformatorischer Tradition. Man könnte sagen: Sie kommen äußerlich eher schlicht daher. Im Mittelpunkt jedes Gottesdienstes stehen das gesprochene Wort, also die Predigt, und das Abendmahl. Es ist eines der Sakramente der Kirche, eine „heilige Handlung“, weshalb es korrekt „Heiliges Abendmahl“ heißt.

So läuft ein neuapostolischer Gottesdienst ab

Gefeiert wird jeder Gottesdienst „In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Das sind die ersten gesprochenen Worte des Gottesdienstleiters. Sie sind Anrufung Gottes und gleichzeitig die Zusicherung an die versammelten Gläubigen: Gott ist da, hier und jetzt. Nach einem Gebet verliest der Gottesdienstleiter ein Bibelwort, das Grundlage für die folgende Predigt ist. In den deutschsprachigen Gemeinden wird die Bibelübersetzung Martin Luthers verwendet. Meist sind es nur wenige Sätze aus dem Alten oder Neuen Testament. Längere Bibellesungen gibt es nur an den kirchlichen Feiertagen. Sie werden häufig von Gemeindemitgliedern übernommen, die kein geistliches Amt tragen.

Die rund 20-minütige Hauptpredigt wird vom Gottesdienstleiter in freier Rede, also ohne fertiges Manuskript, gehalten. Er erläutert den Bibeltext, setzt ihn in Beziehung zu anderen Abschnitten der Heiligen Schrift und ordnet ihn bei Bedarf auch historisch ein. Dabei ist die Predigt kein Religionsunterricht, kein „Was Sie schon immer über die Bibel wissen wollten“-Vortrag. Im Kern geht es dabei immer um die Frage: Was haben die alten Texte heute noch zu sagen? Wie können sie Orientierung geben und Trost spenden? Oder anders ausgedrückt: Was will Gott den Gläubigen hier und jetzt mitteilen?

Nach neuapostolischem Verständnis ist die Predigt eine Rede, die vom Heiligen Geist „inspiriert“ ist. Das ist ein hoher Anspruch, wenn man bedenkt, dass die meist ehrenamtlichen Prediger in der Neuapostolischen Kirche keine studierten Theologen sind. Dahinter steht die Überzeugung, dass Gott selbst den Redenden genau die Impulse und Gedanken gibt, die für die versammelte Gemeinde bestimmt sind. Deshalb ist die Predigt, obwohl sie frei vorgetragen wird, in aller Regel keine „Ad-hoc-Ansprache“, sondern wird von demjenigen, der sie hält, gut vorbereitet – in aller Stille, begleitet von Gebeten. Den Gläubigen wird dabei abverlangt, dass sie über offensichtliche Fehler oder missverständliche Formulierungen hinweghören können. Ergänzt wird die Hauptpredigt meist durch weitere kurze Predigtbeiträge von anderen Amtsträgern.

Der zweite Schwerpunkt des Gottesdienstes ist die Feier des Heiligen Abendmahls. Sie wird vorbereitet durch besondere Augenblicke der inneren Einkehr. Es beginnt mit dem Besinnen darauf, dass der Mensch nicht frei von Fehlern ist, Gott aber nie den Menschen mit seinen Fehlern gleichsetzt. Menschen untereinander sollten es deshalb auch nicht tun. Es ist eine christliche Grundüberzeugung, dass Umkehr und Neuanfang, also das Bemühen, es besser zu machen, immer möglich sind. Das kommt zunächst in einem gemeinsam gesungenen Bußlied zum Ausdruck. Anschließend spricht die Gemeinde das Vaterunser, das Gebet, das die Christenheit verbindet, mit der an dieser Stelle besonders bedeutsamen Bitte: „… und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Anschließend folgt die „Freisprache“: Den Gläubigen wird zugesagt, dass ihnen „in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes“ ihre „Sünden“ vergeben sind. Der „Friede des Auferstandenen“ wird ihnen als Segenszuspruch mit auf den Weg gegeben.

Nach der Abendmahlsfeier folgt ein letztes Gebet. Schlusspunkt des Gottesdienstes ist der Segen, der die Gläubigen in ihren Alltag begleiten soll. Es sind biblische Worte aus dem Paulus-Brief an die Gemeinde in Korinth: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ Die Gemeinde antwortet auf diesen Segenszuspruch mit einem gesungenen dreifachen „Amen“.

Flyer Gottesdienst-Liturgie

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Musik im Gottesdienst

Neben dem gesprochenen Wort spielt auch die Musik eine große Rolle. Auch kleinste Gemeinden haben in der Regel einen Chor, der bei jedem Gottesdienst zum Einsatz kommt. Mitunter gibt es auch kleine Instrumentalensembles. Die zahlreichen Möglichkeiten, sich musikalisch zu engagieren, sind mit ein Grund, weshalb viele neuapostolische Gottesdienste ein wirklich buntes Zusammentreffen von Jung und Alt sind. Auch viele Jugendliche, die sich nach ihrer Konfirmation oft noch unschlüssig sind, welchen Stellenwert der Gottesdienstbesuch in ihrem Leben haben soll, fühlen sich durch die Musik ihrer Gemeinde verbunden, weil sie im Chor mitsingen oder ein Instrument spielen.

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Regelmäßige und besondere Gottesdienste

Neben dem Gottesdienst am Sonntag bieten die meisten neuapostolischen Gemeinden auch Abendgottesdienste während der Woche an, meist mittwochs, manchmal auch donnerstags. Besondere Gottesdienstformen gibt es für spezielle Anlässe wie etwa Trauungen. Meist sind dies reine Wortgottesdienste ohne Abendmahlsfeier.

Gottesdienst zu Hause

Wer nicht persönlich am Gottesdienst teilnehmen kann, hat in den meisten Gemeinden auch die Möglichkeit, die Gottesdienste per Telefonübertragung zu erleben. Seit den Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte, bieten viele Gemeinden darüber hinaus auch Video-Livestreams ihrer Gottesdienste an.